Fit für Europa

Neujahrsempfang informierte über Ziele und Aktivitäten des PDUM

Gut gelaunt startete der PDUM ins neue Jahr. Im Erzähl-Café von links: Klaus Blecher, Prof. Klaus Habermehl, Dr. Dierk Molter, Claudia Ehry, Dr. Ulrich Wissmann, Peter Ehry und Julia Mohr.
Gut gelaunt startete der PDUM ins neue Jahr. Im Erzähl-Café von links: Klaus Blecher, Prof. Klaus Habermehl, Dr. Dierk Molter, Claudia Ehry, Dr. Ulrich Wissmann, Peter Ehry und Julia Mohr.

Deutsche, ukrainische und moldauische Fahnen schmückten den Saal der Pfarrgemeinde St. Josef in Darmstadt-Eberstadt, in dem am 25. Januar der erste Neujahresempfang in der Geschichte des PDUM stattfand. Neben dessen Vorsitzendem Dr. Ulrich Wissmann bat Moderatorin Claudia Ehry ausgewählte Gesprächspartner ins „Erzähl-Café“. Das kurzweilige Format kam bei den Gästen gut an. 

Ziel des PDUM sei es, „die Ukraine und die Republik Moldau auf den Weg in ein demokratisches und soziales Europa zu begleiten“, erläuterte Ulrich Wissmann die Motivation der über ganz Deutschland verteilten Vereinsmitglieder. Vor 17 Jahren von engagierten Menschen, die in der Ukraine gearbeitet oder gelebt haben oder dort in anderer Weise aktiv waren gegründet, ruht die Vereinsarbeit auf den drei Säulen „Kultur und Wissenschaften“, „Wirtschaftliche Zusammenarbeit“ sowie „Humanitäre und soziale Unterstützung“. Man entwickle Ideen, erarbeite Konzepte und verfolge deren Realisierung entweder in Eigenregie oder mit Hilfe von Partnern. Dabei spielen Fördermittel etwa des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMWZ und der Europäischen Union eine wichtige Rolle.

Beispielhaft für Vereinsaktivitäten nannte Ulrich Wissmann die Kooperation mit der Deutschen Technischen Fakultät an der Odessaer Nationalen Polytechnischen Universität (ONPU), die mit Hilfe des PDUM vor 20 Jahren gegründet wurde. Im sozialen Bereich unterstützt der PDUM die Ausstattung von Kindertagesstätten, Krankenhäusern sowie  Behinderten- und Senioreneinrichtungen. Auch werden Lebensmittel- und Schulpakete an Bedürftige ausgegeben. Mit Kooperationspartnern führt der Verein größere Hilfstransporte durch, die die Menschen mit warmer Kleidung für den Winter und anderen wichtigen Dingen versorgen.

Ein weiterer wichtiger Bereich seien die Städtepartnerschaften, fuhr Ulrich Wissmann fort. Neben der aktuell intensiven Zusammenarbeit zwischen den Partnerstädten Darmstadt und Ushgorod (Westukraine) unterstützt der Verein die Partnerschaften zwischen Regensburg und Odessa sowie Mannheim und Chisinau und begleitet freundschaftlich die Partnerschaft der Gemeinde Erzhausen bei Darmstadt mit Ivanychy.

Eine Herzensangelegenheit nannte der Vorsitzende die Einrichtung eines „Darmstädter Hauses“ in Ushgorod als Treff für die Zivilbevölkerung mit Informations- und Bildungsangeboten. Derzeit wird zusammen mit den Freunden vom Partnerverein Darmstadt-Ushgorod PVDU nach geeigneten Räumlichkeiten gesucht.

Ulrich Wissmann dankte dem Verein Heimatmuseum Griesheim für ein jederzeit offenes Haus und Hilfsbereitschaft bei der Betreuung ukrainischer Gäste. Auch die Termine des Griesheimer Zwiebelmarktes stehen fest im Vereinskalender. Die Ausgabe von Speisen und Getränken bringt Geld in die Kasse, das wiederum in die Hilfsprojekte fließt.

Stadtrat Dr. Dierk Molter überbrachte anschließend die Grüße von Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch, der bedauert hatte, aus terminlichen Gründen nicht selbst am Empfang teilnehmen zu können. Dr. Molter rief die Gründung der Städtepartnerschaft zwischen Darmstadt und Ushgorod in Erinnerung. 1990 hatte der damalige Stadtrat Fritz Glenz im Rahmen der internationalen Schülerspiele die Idee dazu gehabt, drei Jahre später wurden die Urkunden unterschrieben.

Viktoriya Syno, Vorsitzende des PVDU, konnte aufgrund der mehr als tausend Kilometer Entfernung zwischen den beiden Partnerstädten nicht am Empfang teilnehmen, ließ aber ein Grußwort verlesen. Darin bekräftigte sie die Freundschaft zwischen den beiden Vereinen und bedankte sich für die jederzeitige Unterstützung: „Ohne den PDUM würde es unseren Verein vermutlich nicht geben.“

Klaus Habermehl, emeritierter Professor der Hochschule Darmstadt h-da und dort für internationale Beziehungen zuständig, informierte die Zuhörer über das Förderprogramm Schnellstarterpaket Ukraine SSP_U. Das Programm beinhaltete mehrere Delegationsreisen und Arbeitstreffen zur Vorbereitung von zwei Projekten, für die eine Förderung über das Programm NAKOPA (Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partnerschaftsprojekte) beantragt werden sollte. Der Projektantrag zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung wurde inzwischen abgelehnt, berichtete Prof. Habermehl; beim zweiten Projekt, das Abfallmanagement der Stadt Ushgorod betreffend, besteht Aussicht auf Erfolg.

Julia Mohr, Abfallexpertin mit Masterabschluss der h_da, führte den Gästen plastisch vor Augen, wie es um das Abfallmanagement in der Westukraine steht. Während eines dreiwöchigen Studienaufenthaltes in Ushgorod besichtigte sie unter anderem die städtische Mülldeponie, auf der vielmals am Tag Entsorgungsfahrzeuge den Abfall unsortiert abladen. Kaum zu glauben: Die Deponie grenzt direkt an den Zentralfriedhof. Auf den Gräbern liegt der Unrat, den der Wind herüberweht, und es riecht streng.

Angeregte Gespräche.
Angeregte Gespräche.

Der Unterstützung durch Bürgermeister Andriiv hatte sich PDUM-Tourismusexperte Peter Ehry gewiss gefühlt, als dieser bei einer Arbeitssitzung in Ushgorod sagte: „Im Tourismus kann man mit geringen Mitteln viel erreichen.“ Umso enttäuschter war er, als er bei einem weiteren Besuch der Partnerstadt erfuhr, dass die in Arbeitskreisen unter seiner Leitung entwickelten Punkte zur Förderung des Tourismus‘ in Ushgorod – Sicherung der maroden Gehwege, Wegweiser zu den Sehenswürdigkeiten, temporäre Bushaltestelle – bei den Stadtverordneten durchgefallen waren. Er bedauerte dies, gab aber die Hoffnung nicht auf, dass die Stadt sich zu gegebener Zeit an die Empfehlungen erinnert.

Peter Ehry nutzte die Gelegenheit, auf eine Reise hinzuweisen, die er vorbereitet. Vom 21. bis 29. Mai 2020 geht es ab/bis Chisinau/Republik Moldau (Direktflug ab Frankfurt/M) unter anderem nach Odessa, Sarrata und zu bessarabischen Dörfern. Anlässlich des Jubiläums der Deutschen Technischen Fakultät steht auch ein Besuch der Odessaer Nationalen Polytechnischen Universität auf dem Programm. Die Gäste zeigten sich interessiert.

Letzter Gesprächspartner im Erzähl-Café war Klaus Blecher vom Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler BBK. Er kündigte den Besuch einer Künstlergruppe aus Ushgorod an und erläuterte das Konzept einer Ausstellung, die vom 27. März bis 18. April unter dem Motto „Change“ im Darmstädter Designhaus zu sehen sein wird. Die Exponate entstehen in Teams, die sich aus deutschen und ukrainischen Künstlern zusammensetzen. Hilfreich: Man kennt sich bereits von einer Ausstellung des BBK in Ushgorod vor zwei Jahren.

Mit angeregten Gesprächen klang der dreistündige Neujahrsempfang bei Sekt, ukrainischem Wodka, moldauischem Cognac und leckeren Knusperstangen in guter Stimmung aus. Bedauert wurde, dass der Europaabgeordnete Michael Gahler seine Zusage wegen einer Terminüberschneidung kurzfristig hatte zurückziehen müssen. 

Wodka oder Cognac?
Wodka oder Cognac?

Dagegen konnte sich die neue Abteilungsleiterin im Amt für Interkulturelles und Internationales der Stadt Darmstadt, Ana-Violeta Sacaliuc, zur Freude des Vereinsvorstands die Teilnahme einrichten, und so ergab sich eine  willkommene Gelegenheit, auf gute Zusammenarbeit anzustoßen. 

Die gelungene Premiere legt nahe, 2021 wiederum am selben Ort und in gleichem Stil das neue Jahr zu begrüßen.